Fühlst du dich von der Welt überreizt? Probiere diese Methoden aus, um Geist und Körper zu beruhigen.
- Eric Bennewitz

- 15. Aug.
- 12 Min. Lesezeit

Einfach zu viel
Als Kind war ich immer auf der Suche nach dem nächsten großen Erlebnis, das meine fünf Sinne in Beschlag nehmen würde. Ob es nun lustige Geräusche waren, das Berühren verschiedener Oberflächen, das Riechen oder Schmecken unterschiedlicher Speisen oder das Sehen von Orten, an denen ich noch nie zuvor gewesen war – all das faszinierte mich auf irgendeine Weise. Als ich in meine Zwanziger und Dreißiger kam, wurde die Stimulation meiner Sinne durch das Aufkommen von Internet und Mobiltelefonen zunehmend zu einer Ablenkung. Die Außenwelt hatte direktere Wege gefunden, meine Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Pop-up-Werbung, Bildschirmzeiten und die ständige Verfügbarkeit von Reizen veränderten etwas in mir. Ich wurde nervöser, weniger konzentriert, neigte zu Multitasking und fühlte mich generell überreizt. Ich begann, die frühere Zeit zu vermissen, als die Zeit langsamer verging, man nicht über alles Bescheid wissen musste und mein Gehirn einfach vor sich hin träumen durfte. Was war also geschehen?
Ich begann, mich nach innen zu wenden. Nicht, um vor dem Leben zu fliehen und als Sadhu in einer einsamen Höhle im Himalaya zu leben, sondern um mir täglich Zeit zu nehmen, weniger zu tun, in die Natur zu gehen und meinem überreizten Gehirn eine Pause zu gönnen, damit sich mein Nervensystem regenerieren konnte. Der Aufenthalt in der Natur wurde zu meiner bevorzugten Methode, um mehr zu „fühlen“ und weniger zu „denken“. Kurz darauf tauchte ich in die Welt von Yoga und Tantra ein. Dort entdeckte ich einen wahren Schatz an Konzepten und Praktiken, die mir halfen, meine fünf Sinne zu beruhigen und mich in der Stille und dem Frieden der Meditation wohlzufühlen.
Diese Reise hat mich dazu bewogen, diesen kleinen Blogartikel über einige der Konzepte und Praktiken zu schreiben, die mir geholfen haben und die ich nun mit dir teilen möchte. Wenn du dich in letzter Zeit von der Außenwelt überhäuft fühlst, dann experimentiere doch einmal mit diesen Ansätzen. Nimm dir das heraus, was für dich funktioniert. Ich werde hier nicht versuchen, dir etwas aufzudrängen nach dem Motto: „Wenn es bei mir funktioniert hat, *muss* es auch bei dir funktionieren“ – bla, bla, bla. Jeder Körper und jeder Geist ist auf wunderbare Weise einzigartig und sollte über eigene Werkzeuge verfügen, um die fünf Sinne zu beruhigen und zu entlasten. Dabei geht es hoffentlich nicht darum, die Sinne zu betäuben, sondern vielmehr darum, Kontrolle über sie zu gewinnen und sie bei Bedarf zurückzuziehen – so wie eine Schildkröte, die Kopf und Gliedmaßen in ihren stillen Panzer zurückzieht.
Den Blick nach innen richten – Sensorisches Fasten leicht gemacht.
Sensorisches Fasten ist ein nützliches Instrument der heutigen Zeit, das uns hilft, die sensorischen Reize unseres Alltags zu reduzieren. Es ist wirksam beim Stressabbau und verschafft einem überlasteten Nervensystem die nötige Ruhe. Diese Praxis ergänzt das fünfte Glied von Patanjalis achtstufigem Yogaweg, bekannt als „Pratyahara“. Pratyahara – eine oft unterschätzte Praxis – besteht im Wesentlichen darin, den Geist darin zu schulen, äußere Sinneseindrücke (die wir über unsere fünf Sinne wahrnehmen) einfach nur „sein zu lassen“, ohne – etwa während der Meditation – darauf zu reagieren. Es geht dabei nicht darum, unsere fünf Sinne zu betäuben oder auszuschalten, sondern einen Zustand geistigen Wohlbefindens, der Zufriedenheit und der inneren Gelassenheit zu schaffen.
Jeden Tag nehmen wir äußere Eindrücke über unsere Sinne auf, ganz ähnlich wie wir physische Nahrung zu uns nehmen. Dadurch lernen wir besser zu erkennen, welche Art von Reizen wir in einem bestimmten Moment benötigen – und wie wir uns zurückziehen und das Gleichgewicht wiederherstellen können, wenn es uns zu viel wird. In der Yoga- und Tantra-Tradition lässt sich dieses Gleichgewicht durch spezifische Pranayama-Techniken, die Konzentration auf ein einzelnes Objekt während der Meditation oder durch Visualisierung herstellen. All diese Methoden sollen Ihnen helfen, jene Reize und Ablenkungen, die Ihre Energie, Vitalität und Lebensfreude zehren, bewusster wahrzunehmen und zu begrenzen.
Die fünf Sinne in Aktion.
Bevor wir uns mit Yoga- und Tantra-Methoden zur Beruhigung von Geist und Körper befassen, ist es hilfreich, etwas über die blitzschnellen Reaktionen unserer fünf Sinne zu erfahren, die uns beschützen. Das folgende Beispiel stammt von meinem langjährigen Lehrer Peter Marchand. Vielleicht hilft es dir dabei, in Momenten der Reizüberflutung im Leben selbst die Kontrolle zu behalten.
Stell dir vor, es ist Nacht und du gehst durch einen Dschungel. Allein das würde meine fünf Sinne in höchste Alarmbereitschaft versetzen. Während du gehst, siehst du in der Ferne etwas an einem Ast hängen, das sich bewegt. Was mag das sein?
Zunächst schalten sich deine fünf Sinne ein, um dich zu schützen: Sie senden eine Reihe vager Signale – wie Farben, Gerüche, Formen usw. des Objekts am Ast – an dein Gehirn. Diese Signale gelangen über die Sinnesorgane deines physischen Körpers (Nase, Augen, Ohren, Zunge und Haut) ins System. Deine Sinnesorgane leiten diese Informationen dann wie komprimierte Datenpakete in Form elektrischer Signale über die Nerven an dein Gehirn weiter.
Hier beginnt die eigentliche Verarbeitung! All deine Erinnerungen und vergangenen Erfahrungen im Unterbewusstsein versuchen, das hängende Objekt einem bereits gespeicherten Muster zuzuordnen. Wie bei einem Puzzle werden die Einzelteile zusammengefügt; das Ergebnis wird dann an das Bewusstsein „übermittelt“, wo es durch logisches Denken und Assoziationen weiter analysiert wird. Diese Erkenntnisse und Gedanken erzeugen Schwingungen in deinem Energiekörper (Pranamaya Kosha), die sich angenehm oder unangenehm anfühlen und bestimmte Emotionen hervorrufen können. Je nachdem, ob sich die Schwingungen gut oder schlecht anfühlen, passen sich deine Sinnesorgane an und werden entweder wachsamer oder entspannter. Über Hormone und Neurotransmitter übertragen sich diese Schwingungen auf den physischen Körper und lösen angenehme oder unangenehme Empfindungen aus – etwa Gänsehaut bei Wohlgefallen oder Schwitzen bei Unbehagen. Schließlich kann dieser Sinneseindruck zu einer Handlung führen: Du gehst entweder näher auf das hängende Objekt zu oder läufst davor weg.
Am Ende stellt sich heraus, dass das hängende, sich bewegende Objekt glücklicherweise nur ein im Wind wehendes Seil war – und so können sich deine fünf Sinne, dein Nervensystem, dein Körper und dein Geist wieder entspannen. Puh!

Überreizte Sinne – Dafür sind wir nicht gemacht.
Unser Gehirn ist schlichtweg nicht darauf ausgelegt, die unaufhörliche Flut an digitalen Benachrichtigungen, städtischem Lärm und Multitasking zu verarbeiten, denen wir täglich ausgesetzt sind. Es hat sich so entwickelt, dass es auf längere Phasen reizarmer Umgebungen (ruhiger, langsamer, Konzentration auf eine einzige Aufgabe) ausgerichtet ist – und nicht auf die langanhaltende, rasante Reizüberflutung, wie sie heute oft vorherrscht.

Wenn Sie Ihren beiden am häufigsten genutzten Sinnen – Sehen und Hören – nicht regelmäßig zumindest eine kleine Pause gönnen, verharren Gehirn und Nervensystem in einem Zustand chronischer Wachsamkeit. Mit der Zeit kann dies zu Beschwerden führen wie:
Starke Angstzustände
Schlafstörungen
Chronische Schmerzen
Aufmerksamkeitsdefizite
Emotionale Instabilität
Sensorisches Fasten ist im Grunde eine Methode zur Erholung eines chronisch überreizten Nervensystems. So wie der Verzicht auf Nahrung Ihrem Verdauungssystem eine Pause verschafft, ermöglicht der Verzicht auf sensorische Reize Ihrem Gehirn und Nervensystem, zur Ruhe zu kommen und sich zu regenerieren.
Warum sensorisches Fasten gut für dich ist.
Vorteile für das Gehirn:
Reduzierter Cortisolspiegel – Weniger Stresshormone, da sich das System zur Gefahrenerkennung entspannt.
Verbesserter Fokus und mehr Aufmerksamkeit – Normalisierung des natürlichen Dopaminspiegels, was das Bedürfnis nach ständiger Stimulation (z. B. durch soziale Medien) verringert.
Bessere Schlafqualität – Die Melatoninproduktion normalisiert sich, wenn die Reizbelastung durch Licht (Sehen) und Lärm (Hören) abnimmt.
Mentale und emotionale Vorteile:
Weniger Angst – Die Amygdala (das Angstzentrum des Gehirns) beruhigt sich, wenn weniger sensorische Reize auf sie einwirken.
Gesteigerte Kreativität – Langeweile, Tagträumen und Stille ermöglichen es bestimmten Hirnarealen, kreative Ideen und Lösungen für hartnäckige Probleme zu entwickeln.
Bessere emotionale Verarbeitung – Ohne äußere sensorische Ablenkungen können unterdrückte Gefühle leichter aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche gelangen, wahrgenommen und verarbeitet werden (begünstigt durch langsamere Theta-Gehirnwellen).
Körperliche Vorteile:
Verringerte Muskelspannung – Der Körper kann leichter chronische Anspannungsmuster lösen, die uns im Alltag oft nicht bewusst sind.
Niedrigerer Blutdruck und Puls – Das parasympathische Nervensystem wird aktiver und die Herzfrequenzvariabilität verbessert sich.
Schmerzlinderung – Chronische Schmerzen können gelindert werden, wenn sensorische Reize (z. B. Berührung, visuelle Eindrücke) reduziert werden.
Verbesserte interozeptive Wahrnehmung – Indem du die Außenwelt ausblendest und deine fünf Sinne für eine Weile zur Ruhe kommen lässt, vertieft sich dein Bewusstsein für innere Körpersignale (z. B. Verdauung, Muskelspannung, Atemmuster). Ein feines Gespür für die subtilen Signale deines Körpers kann als präventive Maßnahme dienen, um bestimmten Krankheiten vorzubeugen. Mit anderen Worten: Du kannst Symptome möglicherweise früher erkennen und entsprechend handeln.
Eine Perspektive aus dem Tantra-Yoga.
Es ist ganz natürlich, dass deine fünf Sinne nach außen auf deine Umgebung gerichtet sind. Deine Sinne sind keine Hindernisse, die du dauerhaft ausschalten solltest. Vielmehr sind sie Instrumente und Tore, um ein höheres Bewusstsein zu erfahren.
Nehmen wir zum Beispiel die Chakras, die im Tantra-Yoga eine grundlegende Rolle spielen. Jedes der ersten fünf Chakras ist mit einem der fünf Sinne sowie bestimmten damit verbundenen Eigenschaften verknüpft:
Muladhara-Chakra (Wurzelchakra)
Sinn: Geruchssinn
Sehnsucht: Stabilität & Sicherheit
Element: Erde
Beispiele: Körperpflege, angenehme Düfte im Zuhause, Verwendung von Räucherwerk oder ätherischen Ölen.
Svadhisthana-Chakra (Sakralchakra)
Sinn: Geschmackssinn
Sehnsucht: Genuss
Element: Wasser
Beispiele: genussvolle Empfindungen, wie etwa eine ayurvedische Mahlzeit, die alle sechs Geschmacksrichtungen vereint.
Manipura-Chakra (Solarplexus-Chakra)
Sinn: Sehsinn
Sehnsucht: Status
Element: Feuer
Beispiele: vor einer brennenden Kerze oder einem Kamin sitzen, einen Sonnenaufgang oder -untergang betrachten.
Anahata-Chakra (Herzchakra)
Sinn: Tastsinn
Sehnsucht: Verbundenheit/Liebe
Element: Luft
Beispiele: Umarmungen, Kuscheln, Massagen, Savasana.
Vishuddha-Chakra (Halschakra)
Sinn: Gehörsinn
Sehnsucht: Wissen
Element: Raum (Äther)
Beispiele: angenehme Musik, der Stille lauschen, Mantra-Japa, Poesie, Trommeln, Klangbad.

Wenn du in deiner Praxis die Wahrnehmung über die fünf Sinne bewusst zurücknimmst, kannst du dich besser mit den Wünschen deiner Chakras verbinden und deine Sinne auf sinnvollere Bestrebungen (*Raga*) ausrichten; gleichzeitig lernst du, jene Dinge, die du im Leben normalerweise von dir weist (*Dvesha*), besser anzunehmen. Das bewirkt einen entscheidenden Wandel, da es für mehr inneres Gleichgewicht sorgt!
Um es klar zu sagen: Unsere Sinne sind Energiekanäle, die als Werkzeuge dienen. Lassen wir ihnen freien Lauf – indem wir uns wahllos von allem in der Welt stimulieren und ablenken lassen –, überreizen wir Körper und Geist und verschwenden dabei „spirituellen“ Treibstoff für unsere Yoga- und Meditationspraxis. Wenn wir unsere Sinne zeitweise zurückziehen (*Pratyahara*), lässt sich diese eingesparte Energie nutzen, um innere Prana-Reserven aufzubauen und die Kundalini zu erwecken. Einfach ausgedrückt: Es ist so, als würdest du daran denken, in den Räumen deines Zuhauses das Licht auszuschalten, wenn du dich gerade nicht darin aufhältst, um Energie zu sparen. Im Kontext unserer Yoga- und Meditationspraxis dient dies jedoch dazu, das spirituelle Erwachen zu fördern.
Die fünf Sinne herunterfahren – Einfache Übungen
Wenn Sie bis hierher gelesen haben: Danke! Hier ist der Teil, der Sie wahrscheinlich am meisten interessiert oder zu dem Sie vielleicht direkt gesprungen sind. Im Folgenden finden Sie einige Übungen – von einfach bis fortgeschritten –, mit denen Sie experimentieren können, um herauszufinden, was Ihnen am besten hilft, zur Ruhe zu kommen und Ihre fünf Sinne zurückzunehmen.
Ideen für das „Sinnesfasten“
Stille Mahlzeiten
Nehmen Sie eine Mahlzeit am Tag zu sich, ohne auf Bildschirme zu schauen, Musik zu hören oder sich mit jemandem zu unterhalten. Konzentrieren Sie sich auf Geschmack, Konsistenz, Temperatur und das Kauen Ihrer Speisen. Achten Sie darauf, wie anders das Essen schmeckt, wenn Sie ganz im Augenblick präsent sind.
Spaziergänge ohne Handy
Versuchen Sie, Ihr Handy zu Hause zu lassen (oder es in den Flugmodus zu schalten und in die Tasche zu stecken). Machen Sie einen Spaziergang in einer ruhigen Gegend und konzentrieren Sie sich dabei nur auf körperliche Empfindungen – etwa wie Ihre Füße den Boden berühren, wie sich die Luft auf Ihrer Haut anfühlt oder welche Geräusche Sie umgeben.
Achtsamkeitsübungen
Setzen Sie sich bequem hin und schließen Sie für 10 bis 15 Minuten die Augen. Versuchen Sie nicht zu „meditieren“ – beobachten Sie einfach, was auftaucht, wenn der Sehsinn ausgeschaltet ist. Nehmen Sie Geräusche, Körperempfindungen und Gedankenströme einfach wahr und lassen Sie sie zu.
Digitale Auszeit vor dem Schlafengehen
Versuchen Sie, alle Bildschirme eine Stunde vor dem Schlafengehen auszuschalten. Schalten Sie eine Stunde vor dem Zubettgehen 50 % der Beleuchtung in Ihrer Wohnung aus, um die Ausschüttung von Serotonin und Melatonin für einen erholsamen Schlaf zu fördern. Wenn Sie fernsehen möchten, wählen Sie etwas, das Ihre Sinne beruhigt – zum Beispiel eine Naturdokumentation anstelle eines Actionfilms.
Stille Morgenstunden
Verzichten Sie in den ersten ein bis zwei Stunden nach dem Aufwachen darauf, auf Ihr Handy zu schauen, Musik oder Mantras abzuspielen, mit anderen zu sprechen oder etwas zu lesen (insbesondere die täglichen Nachrichten).
Konzentrieren Sie sich bei der Frühstückszubereitung auf einfache, unverarbeitete Lebensmittel.
Probieren Sie eine Tätigkeit aus, die die Sinne nicht überreizt, wie zum Beispiel künstlerisches Gestalten, Singen oder einen stillen Spaziergang in der Natur.
Auf diese Weise kann Ihr Gehirn sanft in den Tag starten, ohne von einer Flut an Sinneseindrücken überhäuft zu werden.
Ideen für Pratyahara
Trataka (Kerzenbetrachtung)
Setzen Sie sich in Augenhöhe vor eine Kerze, etwa 60 cm (2 Fuß) entfernt.
Blicken Sie auf die Kerze, ohne zu blinzeln, bis Ihre Augen tränen (2–3 Minuten). Schließe die Augen und halte die Visualisierung des Nachbilds der Kerzenflamme an deinem „dritten Auge“ – der Stelle zwischen den Augenbrauen – fest.
Wenn das innere Bild verblasst, verharre bei geschlossenen Augen für 5 bis 10 Minuten in der Dunkelheit.
Nutzen für die Sinne – Durch die Konzentration wird der Sehsinn zunächst erschöpft und anschließend vollständig zurückgezogen. Die Phase des Nachbilds geht auf natürliche Weise in das nach innen gerichtete Sehen über.

Pratyahara durch Pranayama (Wechselatmung mit Kumbhaka)
Wechselatmung (5 Sekunden Einatmen, 5 Sekunden Atem anhalten, 5 Sekunden Ausatmen) oder ein für dich angenehmer Rhythmus ohne Anstrengung.
Entspanne dich während Kumbhaka (Atemanhalten) in die Stille zwischen Ein- und Ausatmung.
Konzentriere dich während der Übung entweder auf das dritte Auge, das Herzzentrum oder das Nabelzentrum (je nach persönlicher Vorliebe).
Übe 8–12 Runden und verlängere die Phase des Atemanhaltens schrittweise, ohne etwas zu erzwingen. Wenn du nach Luft schnappst, überforderst du dich wahrscheinlich.
Wirkung auf die Sinne – Das Anhalten des Atems wirkt wie eine „Notbremse“, um die fünf Sinne zurückzuziehen. Das Gehirn priorisiert das CO₂/O₂-Gleichgewicht gegenüber der Wahrnehmung der Außenwelt. Das längere Anhalten des Atems begünstigt Pratyahara (den Rückzug der fünf Sinne).
Yoga Nidra (Schlaf der Yogis)
Lege dich in einer bequemen Position, in der du ruhig liegen kannst, auf den Rücken oder die Seite.
Die Phase der Bewusstseinsrotation (Body Scan) ist ein wirksames Mittel, um die Aufmerksamkeit nach innen auf den eigenen Körper zu lenken.
Das Erleben gegensätzlicher Empfindungen (Hitze/Kälte, Schwere/Leichtigkeit) lehrt den Geist, nicht auf Sinnesreize zu reagieren, sondern diese lediglich zu beobachten, anstatt sich darauf einzulassen.
Ein Sankalpa (eine Absicht), das im Unterbewusstsein verankert wird, lenkt die nach außen gerichtete mentale Energie nach innen und dient als Anker, um die Sinne zurückgezogen zu halten.
Die Übungen dauern zwischen 15 und 45 Minuten und werden online oder persönlich angeleitet (Yoga Nidra mit Eric).
Wirkung auf die Sinne – Die Praxis lenkt die Aufmerksamkeit systematisch nach innen und erzeugt einen Zustand des „bewussten Tiefschlafs“, in dem Körper und Teile des Gehirns schlafen, das Bewusstsein jedoch wach bleibt.

Mauna (Heilige Stille)
Wähle eine Stunde, einen halben oder einen ganzen Tag aus.
Praktiziere vollkommene Stille – kein Sprechen, kein Schreiben, keine digitale Kommunikation. (Ich weiß, das kann eine Herausforderung sein.)
Gehe deinen normalen Tätigkeiten nach (Essen, Gehen, Arbeiten, sofern möglich).
Wenn der Drang zu sprechen aufkommt, beobachte die Energie dahinter, ohne ihr nachzugeben.
Nutzen für die Sinne – Sprechen verbraucht viel Energie. Mauna hilft dabei, diese Energie zu bewahren, und zeigt auf, wie viel unserer Interaktion eher zwanghaft als notwendig ist.
Beobachtung der 5 Sinne
Übe mithilfe des Audio-Links mit Eric oder nimm den folgenden Text mit deiner eigenen Stimme auf.
Dauer: Etwa 10 Minuten.
Nimm eine bequeme Sitzhaltung mit gekreuzten Beinen oder eine liegende Position ein und schließe die Augen.
Geruchssinn
Werde dir deiner Nase bewusst. Konzentriere dich auf jeden einzelnen Geruch in deiner Umgebung.
Ordne jeden Geruch ein und stufe ihn als unwichtig ein.
Der Geruchssinn verliert zunehmend an Bedeutung.
Lass ihn los.
Geschmackssinn
Werde dir deines Mundes bewusst.
Trinke einen Schluck Wasser oder Mondwasser aus einem silbernen Becher.
Nimm den neutralen und beruhigenden Geschmack des Wassers wahr.
Konzentriere dich auf den gesamten Geschmackseindruck in deinem Mund, ohne zu reagieren oder die Quelle etwaiger verbleibender Geschmacksnoten zu ergründen.
Der Geschmackssinn verliert zunehmend an Bedeutung.
Lass ihn los.
Sehsinn
Werde dir deiner geschlossenen Augen bewusst.
Nimm das Licht wahr, das durch deine Augen dringt und ein Lichtspiel auf deinen Augenlidern erzeugt.
Konzentriere dich auf das Sehen an sich, anstatt dem Lichtspiel zu folgen.
Der Sehsinn verliert zunehmend an Bedeutung.
Lass ihn los.
Tastsinn
Werde dir deines Körpers und seines Gewichts bewusst, das von der massiven Erde getragen wird.
Achte auf deinen Atem. Spüre oder visualisiere beim Einatmen, wie Energie aus der Erde in deinen Körper und durch deine Wirbelsäule strömt. Atme diese Energie über das Steißbein wieder in die Erde ab.
Fühle dich mit Mutter Erde und allem, was auf ihr ist, verbunden.
Lass ihn los.
Hörsinn
Werde dir deiner Ohren bewusst. Konzentriere dich auf jedes einzelne Geräusch in deiner Umgebung.
Ordne jedes Geräusch ein und stufe es als unwichtig ein.
Der Hörsinn verliert zunehmend an Bedeutung; die Geräusche verschmelzen miteinander und gleiten immer weiter in den Hintergrund.
Lass ihn los. Wenn du magst, verweile eine Weile in Stille und Ruhe, während du ganz natürlich in das Nabelzentrum, das Herzzentrum oder das dritte Auge ein- und ausatmest.
Aus Sicht des Tantra-Yoga besteht die Absicht darin, den zerstreuten Geist zu fokussieren, die Energiebahnen und -zentren (Nadis und Chakren) zu aktivieren und auszugleichen sowie schließlich zu erkennen, dass deine „innere“ und „äußere“ Welt nicht getrennt voneinander existieren.
Wie es in den Shiva-Sutras heißt: „Die fünf Sinne sind die Tore des Körpers. Schließe sie, und der Herr des Hauses offenbart sich.“ 😊
Geh es langsam an.
Fang klein an – schon 10 Minuten des „Sinnesfastens“ haben ihre Vorteile. Sei zu Beginn nicht zu ehrgeizig und stürze dich nicht gleich in wochenlange Yoga-Retreats in Stille, ohne vorher eine gewisse Gewöhnung aufgebaut zu haben.
Unbehagen ist normal – In den ersten Minuten, Stunden oder Tagen treten oft Unruhe, Ängste und/oder ein Gedankenkarussell auf. Das ist dein Nervensystem, das sich neu ausrichtet; dieser Zustand wird vorübergehen.
Langsame Rückkehr – Gewöhne deine fünf Sinne nach dem Sinnesfasten schrittweise wieder an Reize. Eine plötzliche Rückkehr zu starker Stimulation und Ablenkung kann alle Fortschritte zunichtemachen (zum Beispiel: die Nutzung sozialer Medien nur langsam wieder steigern).
Die Magie der Atemarbeit – Versuche während des Sinnesfastens, langsam durch die Nase in den Bauch zu atmen (4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus). Dies kann den Wechsel in den parasympathischen Zustand (Ruhe und Regeneration) beschleunigen.
Brauchst du Unterstützung?
Wenn dir das alles verwirrend erscheint oder du nicht weißt, wo du anfangen sollst, melde dich gerne bei mir unter info@ericbennewitz.de. Meiner Erfahrung nach werden Sinnesfasten und Pratyahara im Alltag – und besonders in der Meditationspraxis – oft vernachlässigt. In einer Zeit der ständigen Reizüberflutung lohnt es sich definitiv, sich täglich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um den Geist zu beruhigen und ihn daran zu erinnern, wer das Sagen hat: DU.




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